Hinweise zur Wartung

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Radbefestigungen: Schmieren oder nicht schmieren?

Die Frage, ob man Radbefestigungen schmieren soll, scheint allgemeine Verunsicherung auszulösen. Viele Mechaniker wurden dazu ausgebildet, Radbefestigungen nie zu schmieren, während andere routinemäßig ein Schmiermittel – oft Kupferpaste– auftragen, um ein Festfressen der Befestigung zu verhindern.

Um das Thema besser zu verstehen, muss man erst einmal verstehen, wie eine Schraubenverbindung arbeitet. Eine Schraubenverbindung lässt sich mit einer sehr starken Feder vergleichen. Beaufschlagt man ein Drehmoment, dann dehnt sich die Schraubenverbindung etwas. Da der Werkstoff der Schraubenverbindung naturgemäß elastisch ist, versucht er, seine ursprüngliche Form wieder zu erreichen, wodurch eine Vorspannung entsteht. Eben diese Vorspannung ist es, die das Rad an der Nabe hält.

Das an der Schraubenverbindung angelegte Drehmoment ist entscheidend für die Sicherstellung der korrekten Vorspannung. Wird eine Schraubenverbindung über ihre Elastizitätsgrenze hinaus angezogen, wird sie plastisch. Das bedeutet, dass jedes zusätzlich aufgebrachte Drehmoment zu einer dauerhaften Deformation (Dehnung) führt, wodurch die Vorspannung reduziert wird und es zu einem Radverlust kommt.

Betrachten wir eine trockene Verbindung, ist die erzielbare Vorspannung unmittelbar durch Reibungsverluste an zwei Schlüsselstellen begrenzt. Generell entfallen 50% der Vorspannungsverluste auf Reibung an der Stirnfläche der Mutter und weitere 40% auf Reibung an den Kontaktflächen des Gewindes. Das bedeutet, dass nur 10 % des angelegten Drehmoments als Vorspannung zur Verfügung stehen, um das Rad am Wagen zu befestigen.

Gibt ein Hersteller an, dass die Schraubenverbindung trocken anzuziehen ist, so hat er sichergestellt, dass die erforderliche Vorspannung in diesem Zustand gewährleistet ist. Trägt man von sich aus entweder auf die Stirnfläche (konische Schulter) der Mutter oder auf die Gewinde ein Schmiermittel auf, so ändert sich der Reibwert in der Berechnung des Drehmoments dramatisch.

Somit ließe sich der Reibungsverlust an der Stirnfläche der Mutter theoretisch auf etwa 20% und an den Gewinden auf etwa 10% reduzieren, so dass 70% des angelegten Drehmoments in Vorspannung umgewandelt wird. Es ist klar ersichtlich, dass diese höhere Vorspannung ausreicht, um die Schraubenverbindung permanent zu verformen oder sogar abzuscheren – und somit sehr gefährlich ist.

Manche Hersteller schreiben ein bestimmtes Schmiermittel vor. In diesem Fall wird der Hersteller das Anziehmoment zur Erzielung der korrekten Vorspannung für eine sachgemäß geschmierte Schraubenverbindung bestimmt haben. Schreibt ein Hersteller die Verwendung eines Schmiermittels vor, so ist das richtige Schmiermittel zu verwenden und an den richtigen Stellen aufzutragen. Wird eine Schraubenverbindung, die geschmiert werden muss, nicht geschmiert, führt das zu unzureichend aufgebrachter Vorspannung und somit zu einer gefährlichen, nicht angezogenen Radbefestigung.

Fazit: Lesen Sie immer die technischen Daten und die darin enthaltenen Anweisungen bezüglich der Radbefestigungen. So erfahren Sie, ob bzw. an welchen Stellen ein Schmiermittel aufzutragen ist und welches Produkt Sie verwenden sollten.

Verwenden Sie im Bereich der Laufräder eines Kraftfahrzeugs AUF KEINEN FALL Kupferpaste. Kommt Kupferpaste mit Legierungen in Berührung, so beschleunigt es eine galvanische Reaktion, die eine Korrosion der Nabe und der Kontaktflächen der Schraubenverbindung zur Folge hat. Das wiederum verursacht einen schlechten Sitz und ein Festfressen von Bauteilen.