Technische Informationen

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Lebensdauer von Bremsbelägen

Die Lebensdauer von Bremsbelägen und somit das Verschleißverhalten ist nur eine, aber wichtige Komponente bei der Bewertung. Jeder Bremsbelag beinhaltet von seinem Rezeptur- und Anforderungskonzept her einen Kompromiss zwischen folgenden wesentlichen Bewertungskriterien:

  • Reibwertstabilität unter allen Betriebsbedingungen
  • Komfortverhalten (Quietschen, Rubbeln, Ansprechverhalten, etc.)
  • Verschleißverhalten

Extreme, einseitige Anforderungen haben in der Regel eine negative Beeinflussung der anderen Faktoren zur Folge.

Der Bremsvorgang selbst ist physikalisch ein Prozess der trockenen Reibung und bedarf zur Aufrechterhaltung der Bremswirksamkeit des gezielten Belag- und Gegenmaterialverschleißes. Hierdurch wird eine laufende Regeneration der reibenden Kontaktflächen erreicht. Bremsbeläge sind somit typische Verschleißteile, deren Verschleißrate jedoch von vielen Faktoren beeinflusst wird. Diese sind wie folgt zu differenzieren und zu betrachten:

  1. Reibmaterialabhängige Eigenschaften
    Vorrangig ist der Temperaturbereich der Bremsscheibe bzw. der Bremstrommel sowie der Geschwindigkeitsbereich und somit der Energieumsatz während der Bremsung maßgebend für die Verschleißrate. In höheren Temperaturbereichen nimmt der Verschleiß stark zu. Fertigungsbedingte bzw. chargenabhängige Unterschiede im Verschleißverhalten sind gegenüber den anderen Beeinflussungsfaktoren vernachlässigbar abgesichert.
  2. Betriebsbedingungen
    Das Fahrverhalten des Fahrers (Bremshäufigkeit, Geschwindigkeitsbereiche), die Verkehrsbedingungen sowie die topographischen und klimatischen Einsatzbedingungen haben den größten Einfluss auf das Verschleißverhalten. Auf diesem Gebiet und vorrangig durch das Fahrverhalten ist erfahrungsgemäß die Lebensdauer entscheidend zu beeinflussen.
  3. Zustand der Bremsanlage
    Die Bremsanlage unterliegt der Einwirkung von Schmutz, Nässe, chemischen Stoffen (z.B. Salz) sowie hohen Temperaturen und mechanischen Kräften. Da sie funktionell wichtige gleitende Teile beinhaltet, bedarf sie der regelmäßigen Wartung. Festsitzende oder schwer-gängige Teile können die Funktion der Bremse und den Belag- und Gegenmaterialverschleiß entscheidend negativ beeinflussen. Ebenso ist der Bremsscheiben- bzw. Bremstrommelzustand (Oberfläche, Mindestdicke, geometrische Form) entscheidend mitverantwortlich für die Funktion und das Verschleißverhalten. In Anbetracht der vorgenannten Ausführungen, soweit keine Funktionsbeeinträchtigung der Bremsanlage vorliegt, stellt sich die Belaglebensdauer in der Praxis als statistische Größe dar, wobei in der Verteilungsfunktion bei Personenkraftwagen die oberen Belaglebensdauerwerte erfahrungsgemäß um den Faktor 10 bis 15 höher liegen als die unteren.

Bezogen auf Laufstrecken kann der Bereich statistisch somit z. B. zwischen

10,000 und 150,000 km

liegen, wobei in Einzelfällen auch Laufstrecken unterhalb bzw. oberhalb dieser Grenzen möglich sind. Aus diesem Grunde kann auch seitens der Belaghersteller keine definitive Lebensdauergarantie gegeben werden.