Technische Informationen

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Kompressibilität

In vielen Publikationen, die sich mit der ECE-R90-Prüfung auseinandersetzen ist von Kompressibilität die Rede.
Was genau bedeutet das eigentlich?

Die Kompressibilität eines Bremsbelages beschreibt den Widerstand, der bei einem bestimmten Druck entgegengebracht wird. In anderen Worten: in Testläufen wird ermittelt inwieweit Druck die Dicke des Bremsbelags verändert. Die verwendete Maßeinheit ist Mikrometer (µm). Ein µm ist ein Tausendstel mm. Diese winzige Einheit verdeutlicht, wie wenig sich ein Bremsbelag tatsächlich zusammen drücken lässt. Dennoch ergeben sich daraus für den Fahrer deutliche Unterschiede beim Bremsgefühl in verschiedenen Situationen. Auch das Geräuschverhalten des Bremssystems kann durch die Kompressibilität des Bremsbelages beeinflusst werden.

Bremsbeläge mit einer hohen Kompressibilität bezeichnet man als „weich“. Ist der Belag allerdings zu weich, nimmt der Fahrer beim Bremsen unter Umständen einen langen Pedalweg wahr. D.h. er muss das Bremspedal weiter durchdrücken, um die gewünschte Bremswirkung zu erzielen. Das vermittelt kein sicheres Gefühl beim Bremsen.

Geringe Kompressibilität andererseits bedeutet, dass der Bremsbelag „hart“ ist. Logischerweise haben harte Beläge nicht die oben beschriebenen Nachteile eines zu weichen Belags. Mit zunehmender Belaghärte steigt allerdings auch das Risiko, dass es zu Bremsgeräuschen wie Quietschen oder Rubbeln kommt. Fahrer und Passagiere nehmen das Rubbeln als Vibrieren des Lenkrades oder des Bremspedals und als ein Brummgeräusch wahr.

Die Lösung liegt in der Ermittlung des richtigen Härtegrades eines Bremsbelags, um den optimalen Kompromiss zwischen gutem Bremsgefühl und guten Geräusch- und Komforteigenschaften zu finden. Dazu ist es nötig, neben den Labormessungen der Kompressibilität, auch umfangreiche Fahrzeugtests durchzuführen, damit dieser optimale Kompromiss auch gefunden und festgelegt wird.

Darstellung eines Prüfablaufs

Der Bremsbelag (2 in der Abbildung) wird mit der Reibfläche nach unten auf eine massive, polierte und beheizte Stahlplatte (1) gelegt. Über einen Kolbenadapter (3), welcher dem in der Bremsanlage verwendeten Kolbentyp entspricht, presst der Messkolben (4) des Prüfstands den Bremsbelag zusammen. Die Kraft, mit welcher der Belag zusammengedrückt wird, entspricht einem Bremsdruck von 160 Bar. Ein Sensor (5) misst wieviel bzw. wie tief der Belag zusammengepresst werden kann. Die Messungen werden bei Raumtemperatur und einer Temperatur der Stahlplatte von 400 °C durchgeführt. Die Dickenabweichung des Bremsbelags darf bei Raumtemperatur maximal 2%, bei 400 °C maximal 5% betragen.